Behauptung: In sozialen Netzwerken und auf Portalen wie Apollo News und Journalistenwatch wird verbreitet, die Bielefelder Apothekerin Elisabeth Kutter habe auf einer Kundgebung am 22. Oktober 2026 gesagt, Deutsche sollten sich nicht mit Deutschen paaren. In Beiträgen auf X, die Journalistenwatch zitiert, wird ihre Rede so zusammengefasst: „Rein deutsche Kinder sind dumm, Multikulti Kinder sind schlau und weiße Männer tun der Gesellschaft generell nicht gut!“
Bewertung: Zitat verkürzt/zugespitzt – Kern der Rede belegt. Ein Video-Ausschnitt zeigt, dass Kutter in ihrer Rede über eine von ihr selbst nicht gelesene Studie sprach, nach der Kinder umso klüger würden, je unterschiedlicher das Erbmaterial der Eltern sei. Dazu stellte sie die rhetorische Frage: „Was passiert also, wenn sich nur Deutsche mit Deutschen paaren?“ Eine Aufforderung, Deutsche sollten sich nicht miteinander paaren, ist nicht belegt. Die Sätze „rein deutsche Kinder sind dumm“ und „weiße Männer tun der Gesellschaft nicht gut“ sind Deutungen von Nutzern, kein Wortlaut. Der Ausschnitt stammt von einem Medium, das über Kutter kritisch berichtet. Eine vollständige Aufnahme der Rede lag für diesen Faktencheck nicht vor.
Was behauptet wird
Ausgangspunkt ist ein Video-Ausschnitt von Apollo News auf YouTube. Er zeigt Teile von Kutters Rede auf der Gegenkundgebung vor ihrer Apotheke. Ein begleitender Artikel von Apollo News trägt den Titel „Keine Medikamente für AfD-Wähler? Neues aus der Anti-AfD-Apotheke“.
Journalistenwatch veröffentlichte am 24. Oktober 2026 einen Beitrag mit der Überschrift „Ist die Bielefelder Apothekerin eine waschechte Rassistin?“. Er stützt sich auf Beiträge von X-Nutzern. Darin heißt es unter anderem, Kutter habe auf einer Demo behauptet: „Je unterschiedlicher das Erbmaterial von Mann und Frau, desto klüger werden die Kinder“, und gefragt, „was rauskommt, wenn sich nur Deutsche mit Deutschen paaren“. Ein anderer zitierter Beitrag fasst die Rede als „Rein deutsche Kinder sind dumm, Multikulti Kinder sind schlau und weiße Männer tun der Gesellschaft generell nicht gut!“ zusammen. Der Journalistenwatch-Beitrag selbst schränkt ein: „Wenn das stimmt …“
Was belegt ist
Der Anlass: Elisabeth Kutter, 60, ist Inhaberin der Panda-Apotheke an der Radrennbahn in Bielefeld. Am 11. Oktober 2026 veröffentlichte sie auf den Kanälen ihrer Apotheke ein Video. Laut WDR, Westfalen-Blatt, jux.news und Pharmazeutischer Zeitung sagte sie darin: „Jeder, der mit der AfD sympathisiert, sie unterstützt, sie wählt: Bitte meide meine Apotheke, meide mein Team, meide mein Umfeld.“ Laut Apotheke Adhoc sagte sie außerdem, sie wolle mit diesen Menschen „kein Geld verdienen“.
Die Klarstellung: In einem weiteren Beitrag erklärte Kutter laut Spiegel und Apotheke Adhoc: „Natürlich werdet ihr bedient, natürlich bekommt ihr auch Medikamente, ihr bekommt den gleichen hervorragenden Service, den wir allen Kunden anbieten. Aber mögen tu ich euch trotzdem nicht, ihr seid einfach nicht willkommen.“ Gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung betonte sie, sie stelle sich nicht gegen den Kontrahierungszwang, also die Pflicht von Apotheken, gültige Rezepte zu beliefern.
Die Folgen: Laut WDR erhielt Kutter tausende negative Kommentare, darunter Beleidigungen und Morddrohungen. Der Staatsschutz der Polizei Bielefeld ermittelt.
Die Kundgebung: Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, baute die AfD einen Infostand vor der Apotheke auf, mit den Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner und Maximilian Kneller. Das „Bündnis gegen Rechts“ meldete eine Gegenkundgebung an. Der WDR spricht von etwa 600 Teilnehmern zu Spitzenzeiten, die Neue Westfälische nennt in der Überschrift ihres Livetickers 2.000 Menschen. Laut jux.news sprachen auf der Gegenkundgebung Britta Haßelmann (Grüne), Christina Kampmann (SPD) und Elisabeth Kutter. Kutter wiederholte laut jux.news in ihrer Rede, jeder bekomme bei ihr Medikamente und den gleichen Service: „Aber mögen tue ich euch trotzdem nicht. Ihr seid halt einfach nicht willkommen.“
Die Passage zum Erbmaterial: Die Passage ist im Video-Ausschnitt von Apollo News zu hören. Die folgende Wiedergabe beruht auf der automatischen YouTube-Abschrift dieses Videos. Diese Abschrift ist fehlerhaft und wurde für die Lesbarkeit geglättet. Auslassungen sind mit „…“ markiert:
„… vor 40 Jahren habe ich mal von einem Arzt gehört, es gibt eine Studie aus Amerika, ich habe sie selber nicht gelesen, aber der Mensch war oder ist sehr klug … desto unterschiedlicher das Erbmaterial von Mann und Frau, desto klüger werden die Kinder. … Was passiert also, wenn sich nur Deutsche mit Deutschen paaren? Was kommen da für Kinder raus? Muss ich euch das erzählen? Nee, ne, ihr seid klug. Genau. Desto unterschiedlicher das Erbmaterial unter uns ist, umso größer sind die Chancen, dass wir Deutschland nach vorne bringen.“
Im selben Ausschnitt sagt Kutter laut Abschrift, Deutschland brauche „viel mehr Frauen, vor allen Dingen in der Politik“, denn: „wohin uns dieses starke weiße Männergehabe geführt hat, das sehen wir“.
Was nicht belegt ist
- Eine Aufforderung: Dass Kutter dazu aufgerufen habe, Deutsche sollten sich nicht mit Deutschen paaren, ist im vorliegenden Material nicht belegt. Die Passage ist eine rhetorische Frage. Kutter beruft sich dabei auf eine Studie, die sie nach eigener Aussage nicht gelesen hat und die sie nicht näher benennt.
- „Rein deutsche Kinder sind dumm“: Diese Formulierung stammt nicht von Kutter, sondern aus einem X-Beitrag, den Journalistenwatch zitiert. Sie ist eine Deutung der rhetorischen Frage.
- „Weiße Männer tun der Gesellschaft nicht gut“: Auch dieser Satz ist kein Wortlaut. Belegt ist laut Abschrift die Formulierung „dieses starke weiße Männergehabe“ im Zusammenhang mit der Forderung nach mehr Frauen in der Politik.
- „Blödes Erbgut“: Im Video fällt laut Abschrift auch der Satz „… das geht halt nicht mit diesem blöden Erbgut von Deutschen und Deutschen“. Nach dem Zusammenhang der Abschrift stammt er wahrscheinlich vom Sprecher von Apollo News und nicht von Kutter. Das Video selbst wurde für diesen Faktencheck nicht angesehen, die Zuordnung beruht nur auf der Abschrift und ist deshalb nicht gesichert.
- Verweigerte Medikamente: Der Titel des Apollo-News-Artikels „Keine Medikamente für AfD-Wähler?“ steht im Gegensatz zu Kutters mehrfach berichteter Aussage, AfD-Anhänger bekämen ihre Medikamente und denselben Service. Dass die Apotheke tatsächlich Medikamente verweigert hat, ist nicht belegt. Der Spiegel schreibt dazu, das sei „unklar“.
- Die Studie: Um welche Studie es sich handeln soll, ist nicht bekannt. Eine fachliche Einschätzung der Aussage zum Erbmaterial, etwa durch Genetiker, wurde für diesen Faktencheck nicht eingeholt.
Einordnung / Kontext
- Quellenlage: Die Passage zum Erbmaterial ist bislang nur durch Ausschnitte von Medien belegt, die über Kutter und die Kundgebung kritisch berichten. WDR, Welt, Spiegel, Pharmazeutische Zeitung, RTL, Westfalen-Blatt und jux.news berichten über das Video und die Kundgebung, erwähnen die Passage in den abrufbaren Artikeln aber nicht. Der Liveticker der Neuen Westfälischen ist kostenpflichtig, sein Inhalt konnte nicht geprüft werden.
- Vollständige Aufnahme: Eine vollständige Aufnahme von Kutters Rede wurde nicht gefunden. Ein Livestream eines YouTube-Kanals von der Kundgebung ist abrufbar. Die automatische Abschrift dieses Streams enthält Gespräche am Rand der Veranstaltung, aber nicht Kutters Rede. Der genaue Zusammenhang der Passage, also was vor und nach den Auslassungen gesagt wurde, lässt sich deshalb nicht prüfen.
- Stellungnahme Kutters: Eine Stellungnahme Kutters zu der Passage über das Erbmaterial wurde nicht gefunden. Ihr Instagram-Profil ist laut Spiegel nicht mehr öffentlich, das Social-Media-Profil der Apotheke laut RTL auf privat gestellt. Der Spiegel schrieb am 14. Oktober, Kutter habe eine Anfrage unbeantwortet gelassen. Apotheke Adhoc schrieb am 13. Oktober, sie sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen.
- Apothekerkammer: Eine öffentliche Stellungnahme der Apothekerkammer Westfalen-Lippe zu dem Fall wurde nicht gefunden. Die Pharmazeutische Zeitung berichtet von „Kritik aus dem Berufsstand“, Apotheke Adhoc von Unverständnis „im Kollegenkreis“, jeweils ohne Namen.
- Faktenchecks: Faktenchecks anderer Redaktionen zu der Behauptung wurden nicht gefunden.
- Bedrohungslage: Unabhängig von der Rede ermittelt laut WDR der Staatsschutz wegen Morddrohungen gegen Kutter.
Fazit
Elisabeth Kutter hat auf der Kundgebung vor ihrer Apotheke am 22. Oktober 2026 laut einem Video-Ausschnitt von Apollo News über eine von ihr nicht gelesene Studie gesprochen, nach der unterschiedliches Erbmaterial der Eltern zu klügeren Kindern führe. Dazu fragte sie: „Was passiert also, wenn sich nur Deutsche mit Deutschen paaren?“ Dieser Kern der Behauptung ist belegt. Eine Aufforderung, Deutsche sollten sich nicht miteinander paaren, ist nicht belegt. Zuspitzungen wie „rein deutsche Kinder sind dumm“ oder „weiße Männer tun der Gesellschaft nicht gut“ sind Deutungen, kein Wortlaut. Die Wiedergabe beruht auf einer automatischen Abschrift eines Ausschnitts aus einer parteiischen Quelle. Eine vollständige Aufnahme und eine Stellungnahme Kutters lagen nicht vor. Bewertung: Zitat verkürzt/zugespitzt – Kern der Rede belegt.
Quellen
- Apollo News (YouTube): Video-Ausschnitt der Rede von Elisabeth Kutter (Wiedergabe nach automatischer Abschrift)
- Apollo News: Keine Medikamente für AfD-Wähler? Neues aus der Anti-AfD-Apotheke
- Journalistenwatch, 24.10.2026: Ist die Bielefelder Apothekerin eine waschechte Rassistin? (geprüfter Beitrag)
- WDR, 20.10.2026: Nach Anti-AfD-Video: Bielefelder Apothekerin erhält Morddrohungen
- WDR, 22.10.2026: Nach Facebook-Video: Hunderte Demonstranten vor Apotheke in Bielefeld
- jux.news: 600 Menschen protestieren in Bielefeld gegen AfD-Stand an Apotheke
- Welt: Bielefeld: „Denkt immer daran, wie erbärmlich sie sind“, sagt Haßelmann auf einer Demo über die AfD
- Der Spiegel, 14.10.2026: Apothekerin lädt AfD-Wähler aus – und kassiert negative Bewertungen auf Google
- Der Spiegel: Anti-AfD-Protest von Apothekerin Elisabeth Kutter (kostenpflichtig)
- Apotheke Adhoc, 13.10.2026: Apothekerin: AfD-Unterstützer können zur Konkurrenz
- Pharmazeutische Zeitung, 16.10.2026: Apothekerin legt sich mit AfD an
- Pharmazeutische Zeitung, 23.10.2026: Die Apothekerin ohne Sympathie für AfD-Sympathisanten
- Westfalen-Blatt, 15.10.2026: Anti-AfD-Video: Anfeindungen gegen Bielefelder Apothekerin (nur Anfang frei lesbar)
- Neue Westfälische, 22.10.2026: Liveticker zum Nachlesen: AfD hatte Stand vor Bielefelder Apotheke – Gegendemo mit 2.000 Menschen (kostenpflichtig, nur Überschrift geprüft)
- RTL West, 22.10.2026: AfD protestiert vor Apotheke in Bielefeld – Streit um unerwünschte Kunden
- YouTube-Livestream (Kanal „weichreiteuncut“), 22.10.2026: AfD bei der Panda Apotheke und Gegendemo (enthält laut Abschrift nicht Kutters Rede)










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