Halloween 2026: Was Behörden zu angekündigten Demonstrationen und Gewaltaufrufen am 31. Oktober sagen

Datum: Montag, 26. Oktober 2026 (Stand der Recherche)
Ort: bundesweit

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums, mehrerer Landesinnenministerien und Polizeibehörden bereiten sich die Sicherheitsbehörden in Deutschland auf den 31. Oktober 2026 vor. An diesem Samstag, Halloween, hat eine Initiative von Jugendlichen und jungen Erwachsenen Demonstrationen in zahlreichen Städten angekündigt. Mehrere Behörden berichten zugleich von einzelnen Aufrufen zu Gewalt in sozialen Netzwerken. Eine offizielle Warnung, dass es sicher zu Ausschreitungen kommen wird, liegt nicht vor.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt den Stand vom 26. Oktober 2026. Er kann nach dem 31. Oktober um die tatsächlichen Meldungen der Polizei zum Verlauf des Tages ergänzt werden.

Was angekündigt ist

Eine Initiative, die sich „Gen Z regelt“ (auch „Gen Z regelt das“) beziehungsweise „Gen Z steht auf“ nennt, ruft für Samstag, 31. Oktober 2026, ab 14 Uhr zu Demonstrationen in 21 deutschen Städten auf. Nach Angaben der Initiative geht es unter anderem um Investitionen in Bildung und Gesundheit, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, Klimaschutz und die Ablehnung einer Wehrpflicht. Die Initiative lehnt Gewalt nach eigenen Angaben ausdrücklich ab. „Wir distanzieren uns klar von jeglicher Art von Gewalt“, sagte Mitinitiator Akram Selo der Deutschen Presse-Agentur.

Laut tagesschau.de hatten sich am 21. Oktober nach Angaben auf der Website der Initiative mehr als 10.000 Menschen für eine Teilnahme registriert. Die Hamburger Morgenpost berichtete am 24. Oktober unter Berufung auf die Initiative von knapp 30.000 Anmeldungen bundesweit. Wie viele Menschen tatsächlich teilnehmen, lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.

In Niedersachsen und Bremen ist der 31. Oktober als Reformationstag ein Feiertag.

Was Behörden bestätigen

  • Bundesinnenministerium: Bund und Länder tauschen sich nach Angaben eines Ministeriumssprechers eng aus, unter anderem im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ). Gefährdungsbewertungen würden laufend vorgenommen, auch in Abstimmung mit Frankreich und Italien. Der Verfassungsschutz verstärke die Beobachtung einschlägiger Internetseiten und Social-Media-Kanäle. Die Bundespolizei könne die Länder unterstützen und Personen, die zur Teilnahme an gewaltsamen Ausschreitungen einreisen wollen, an der Grenze zurückweisen. Der Sprecher unterschied zwischen „friedlichen Schülerprotesten“ und einer „gewaltbereiten extremistischen Szene, die potenziell solche Proteste nutzt“.
  • Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz: In einer Pressemitteilung vom 22. Oktober heißt es: „In sozialen Netzwerken kursieren bereits Aufrufe zu Gewalt.“ Das LKA weist darauf hin, dass unterschiedliche Gruppen die Proteste instrumentalisieren könnten, und warnt vor Gewalt bei Demonstrationen sowie vor Halloween-Streichen, die als Sachbeschädigung strafbar sein können.
  • Nordrhein-Westfalen: Nach Einschätzung des NRW-Verfassungsschutzes mobilisieren Akteure aus dem linksextremistischen Spektrum und aus dem auslandsbezogenen Extremismus für die Proteste, wie ein Sprecher des Innenministeriums der Rheinischen Post mitteilte. Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte: „Proteste sind legitim“, und: „Randale werden wir stoppen.“
  • Baden-Württemberg: Innenminister Manuel Hagel (CDU) sagte der dpa: „Friedlichen Protest schützen wir. Bei Gewalt greifen wir durch.“ Und: „Halloween ist ein Fest zum Verkleiden. Nicht zum Vermummen.“ Laut dpa berichten die Sicherheitsbehörden auch von Aufrufen zu gewaltsamen Protesten.
  • Hessen: Innenminister Roman Poseck (CDU) erklärte laut tagesschau.de, die Sicherheitsbehörden hätten den Termin „fest im Blick“. Laut dpa sagte er, die Mobilisierung werde auch aus dem linken Spektrum instrumentalisiert.
  • Niedersachsen: Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte laut dpa: „Die Polizei und die Sicherheitsbehörden sind sehr sensibilisiert.“

Lage in einzelnen Städten

Berlin: Die Polizei Berlin stellt sich nach Angaben von Polizeisprecher Florian Nath auf einen umfangreichen Einsatz ein. Es gebe Bestrebungen, die Thematik der Schülerproteste für eigene Interessen zu nutzen. „Das werden wir nicht zulassen“, sagte Nath dem Tagesspiegel. Laut Tagesspiegel (21. Oktober) war zu diesem Zeitpunkt in Berlin keine Versammlung angemeldet. Der überwiegende Teil der Aufrufe in sozialen Netzwerken betone die Friedfertigkeit, vereinzelt kursierten Gewaltaufrufe. Viele Aufrufe nutzten KI-generierte Bilder und nannten unterschiedliche Treffpunkte und Uhrzeiten.

Hamburg: Die Polizei Hamburg bereitet nach Angaben des NDR einen Großeinsatz vor. In der Innenstadt soll eine sehr starke Polizeipräsenz sichtbar sein, Drohnen sollen eingesetzt werden. Nach Informationen des NDR werden zusätzlich zur Bereitschaftspolizei weitere Alarmhundertschaften hinzugezogen. Polizeisprecher Florian Abbenseth sagte der Hamburger Morgenpost: „Wir verfolgen die aktuellen Entwicklungen und Mobilisierungsaufrufe sehr wachsam und bereiten uns entsprechend vor.“ Die Demonstration soll um 14 Uhr am Jungfernstieg beginnen; laut MOPO werden rund 2.000 Teilnehmende erwartet. Der NDR berichtet, im Zusammenhang mit den Protesten seien im Internet auch Aufforderungen zu Plünderungen zu finden. Laut MOPO schrieben einige Mitglieder einer Hamburger Telegram-Gruppe in inzwischen gelöschten Nachrichten, „alles kaputt machen“ zu wollen; andere Mitglieder kündigten an, friedlich demonstrieren zu wollen.

Köln: Nach Angaben einer Sprecherin der Polizei Köln vom 21. Oktober war dort zu diesem Zeitpunkt keine Versammlung offiziell angemeldet. „Die Aufrufe in den sozialen Medien sind uns jedoch bekannt“, sagte sie der Rheinischen Post. Man bewerte die Lage fortlaufend.

Hannover: Eine Privatperson hat laut Polizei eine Versammlung mit dem Titel „Gen Z regelt – Jugendprotest gegen Militarisierung und Sozialkürzung“ für 14 Uhr am Opernplatz angemeldet, angegeben mit einer Teilnehmerzahl im mittleren zweistelligen Bereich. „Nach unserer Lagebewertung gibt es derzeit keine ernstzunehmenden Ankündigungen bezüglich angekündigter Ausschreitungen“, teilte die Polizei Hannover laut dpa mit. Weil es in früheren Jahren an Halloween zu Straftaten gekommen sei, würden dennoch zusätzliche Kräfte eingesetzt.

Cuxhaven und Osnabrück: Der Polizei Cuxhaven ist laut dpa ein auf TikTok verbreiteter Aufruf zu einer Protestaktion bekannt; eine Anmeldung lag nicht vor. In Osnabrück sind laut Polizei zwei Versammlungen angemeldet, die keinen offenkundigen Bezug zu den Gen-Z-Protesten haben.

Bremen: Im Internet wird zu einer Kundgebung um 14 Uhr am Marktplatz aufgerufen. Das Bremer Innenressort erklärte laut dpa, die Polizei bereite sich auf einen möglichen Einsatz vor; konkrete Hinweise auf geplante Gewalt lägen nicht vor.

Marl und Recklinghausen: Nach Angaben der Polizei Recklinghausen warfen Jugendliche am Abend des 17. Oktober in Marl-Hüls Feuerwerkskörper, unter anderem gegen ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr, und zündeten eine Mülltonne an. Am 19. Oktober setzten Jugendliche in Marl erneut eine Mülltonne in Brand; in der Recklinghäuser Innenstadt wurde Pyrotechnik unter anderem in ein Einkaufszentrum geworfen. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Die Polizei hat ihre Präsenz in beiden Städten verstärkt. Einen Zusammenhang mit den angekündigten Demonstrationen stellt die Polizei in ihrer Mitteilung nicht her; die Vorfälle werden aber in die Vorbereitungen für die Halloween-Nacht einbezogen.

Bottrop: Die Stadt Bottrop hat das Mitführen von Feuerwerkskörpern im gesamten Stadtgebiet vom 24. Oktober bis zum 7. November verboten. Der Kommunale Ordnungsdienst darf in dieser Zeit Personen durchsuchen; es drohen Bußgelder bis zu 1.000 Euro. Die Regelung wurde vom Stadtrat bereits am 7. Juli 2026 beschlossen.

Was nur berichtet wird oder unklar ist

  • Ernsthaftigkeit der Gewaltaufrufe: Mehrere Behörden bestätigen, dass Gewaltaufrufe auf Plattformen wie Telegram, TikTok und X kursieren. Wie ernst einzelne dieser Aufrufe gemeint sind und von wem sie stammen, ist öffentlich nicht bekannt. Die Behörden äußern sich dazu unterschiedlich: Hannover und Bremen sehen keine konkreten beziehungsweise ernstzunehmenden Hinweise auf geplante Gewalt, Rheinland-Pfalz, NRW und Baden-Württemberg verweisen auf Aufrufe zu Gewalt.
  • Teilnehmerzahlen: Die genannten Zahlen beruhen auf Online-Registrierungen und Medienangaben. Für Köln berichtet der Express (24. Oktober) von rund 5.000 erwarteten Teilnehmenden am Heumarkt und schreibt, dort sei eine Demonstration angemeldet; die Polizei Köln hatte am 21. Oktober noch keine Anmeldung bestätigt. Eine aktuelle Bestätigung der Polizei Köln lag für diesen Beitrag nicht vor.
  • Zitate von Polizeigewerkschaften: Mehrere zugespitzte Aussagen stammen nicht von Behörden, sondern von Gewerkschaften. So geht das im Express wiedergegebene Zitat, in Telegram-Gruppen werde dazu aufgerufen, „Städte in Schutt und Asche zu legen“, auf den Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, zurück, der sich gegenüber „Bild“ äußerte. Die GdP ist eine Interessenvertretung, keine Sicherheitsbehörde. Die zitierten Telegram-Nachrichten selbst wurden für diesen Beitrag nicht eingesehen.
  • Bonn: Der Bonner General-Anzeiger berichtete am 23. Oktober, Schülerinnen und Schüler hätten sich in einem Chat zu Krawallen an Halloween verabredet; die Polizei ermittle. Der Artikel ist kostenpflichtig, Einzelheiten konnten nicht geprüft werden. Eine eigene Mitteilung der Polizei Bonn dazu wurde nicht gefunden.
  • Organisation der Initiative: Laut Tagesspiegel ist unklar, inwieweit einzelne Aufrufe auf Einzelpersonen zurückgehen. Laut MOPO teilte ein Mitglied des sechsköpfigen Organisationsteams der Initiative am 22. Oktober mit, nicht mehr aktiv an der Bewegung beteiligt zu sein; eine Begründung nannte er nicht.

Zum Vergleich: frühere Jahre

  • 2025: Laut einer dpa-Umfrage gab es an Halloween 2025 bundesweit Hunderte Polizeieinsätze, aber keine größeren Zwischenfälle.
  • Berlin 2024: In der Halloween-Nacht wurden laut Tagesspiegel 132 Personen festgenommen. Jugendliche setzten Barrikaden in Brand und beschossen Polizeikräfte mit Pyrotechnik.
  • Hamburg 2023: Laut MOPO kam es zu Böllerwürfen, brennenden Barrikaden und Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei, unter anderem in Harburg, Steilshoop, Osdorf und Wilhelmsburg. In den Folgejahren setzte die Polizei auf Videoüberwachung und seit 2025 auf Drohnen; die Nächte verliefen danach ruhiger.

Ob sich aus den früheren Jahren Rückschlüsse auf den 31. Oktober 2026 ziehen lassen, ist offen. Neu ist in diesem Jahr, dass zusätzlich angemeldete und nicht angemeldete Demonstrationen angekündigt sind.

Quellen

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